Zum Inhalt springen

Das eigene Leben und die anderen

27. Dezember 2010

Eine Frage die sich vielleicht jeder Aktivist immer mal wieder stellen wird ist: „Tue ich eigentlich genug?“

Ich bin grundsätzlich optimistisch was das Erreichen von Tierrechten angeht, aber auch realistisch, was den Zeitraum betrifft, innerhalb dessen wir eine wirkliche Veränderung beobachten werden. Mein Ziel beinhaltet aber nicht in erster Linie die Durchsetzung bestimmter politischer Forderungen, sondern eine Verbesserung der Situation aller tierlicher Individuen, also insbesondere auch der jetzt und in dem entsprechenden Zeitraum Lebenden und Sterbenden. Der Zeitfaktor, die Trägheit der Massen spielt also gegen mich.
Denn es sind nicht 56 Milliarden Landtiere, die jedes Jahr allein für den Fleischkonsum getötet werden – es ist ein Individuum, das getötet wird und das 56 Milliarden Mal.

Und während dieses Individuum getötet wird, 1774 Mal pro Sekunde, mache ich mir Gedanken über Galaxien, Schuhe und Weihnachtsgeschenke.

Natürlich macht es keinen Sinn sich in Selbstvorwürfen zu ertränken, aber nach den eigenen Prioritäten zu fragen ist sicher nicht verkehrt. Zwar bin ich auch nur ein Mensch, der auch nicht beliebig strapazierfähig ist, aber mit welchem Recht gehe ich meinem Vergnügen nach (und ja, Gedanken über Galaxien sind sehr vergnüglich) während andere im eigenen Kot dahinvegetieren?

Ich studiere ja leider ein Fach, das so gar nichts mit Tierrechten zu tun hat und stehe langsam vor der Entscheidung, was ich mit meiner Zukunft anfangen will. In einer besseren Welt wäre das hier ein Blog über Astrophysik und ich würde über das auf und ab einer Karriere in der Wissenschaft berichten und von der Umbenennung der Milchstraße in Sojadrinkstraße. *

Allerdings ahne ich schon jetzt, dass dann wenig Zeit bleiben würde für Engagement in der Tierrechtsbewegung und das ist zwar kein Beruf, aber ein großes Anliegen, eine Berufung.  Auf der anderen Seite weiß ich natürlich nicht genau auf welche Art sich mein Einfluss maximieren lässt, vielleicht ist eine piyh die sich Gedanken über Galaxien macht auch auf irgend eine Art nützlich. Und ist eine piyh, die sich keine Gedanken mehr über Galaxien macht glücklich und ist eine unglückliche piyh produktiv und über einen längeren Zeitraum mit Engagement bei der Sache? Wo liegen meine Grenzen?

Ich habe ja durchaus einige Vorbilder in der Bewegung, die ihre Karriere geschmissen oder riskiert haben um sich für andere einzusetzen, aber ich weiß nicht  ob ich auch heldenhaft genug bin um diesen Schritt zu gehen und ob er überhaupt sinnvoll und heldenhaft ist.  Aber ich kann auch nicht auf Dauer ein Doppelleben führen, nicht während dieses Individuum getötet wird, unzählige Male.

* Dabei handelt es sich der namensgebenden Legende nach ja sogar um menschliche Muttermilch, die aber auch nicht freiwillig abgegeben wurde.

From → Aus dem Alltag

Schreibe einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: