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Wie wird man eigentlich Aktivist?

4. März 2010

Es gibt ja Leute, die kommen mit Megaphon und Abseilgerät auf die Welt und bringen all die wunderbaren Eigenschaften mit, die man als Aktivist so braucht und dann gibt es Leute wie mich, die mit Brille, Teetasse und einem Buch (mindestens 600 Seiten!) in der Hand auf die Welt kommen und eigentlich nur in der Ecke sitzen und sich Gedanken über die Welt machen wollen. Oder wie Feynman es ausgedrückt hat:

Also ich habe für meine Person noch einen Mythos erfunden – dass ich nicht zuständig bin. Wenn jemand mich bittet, einem Komitee für Zulassungen beizutreten – nein, dafür bin ich nicht zuständig, die Studenten sind mir verdammt egal – natürlich sind mir die Studenten verdammt nicht egal, aber ich weiß, irgend jemand anderer wird das übernehmen. Ich stelle mich also auf den Standpunkt: „Soll George das doch machen“, eine Einstellung, die eigentlich nicht richtig ist, einverstanden, weil es nicht richtig ist, wenn man sich so verhält. Aber ich mache das, weil ich mich gerne mit Physik beschäftige und sehen will, ob ich das noch beherrsche. Ich bin also selbstsüchtig, okay? Ich will meine Physik machen.
(„Es ist so einfach“, R. P. Feynman)

Das Problem ist nur, dass es keinen George gibt. Wenn es um Tierrechte geht, gibt es keinen George, keinen John, keinen Paul und nicht einmal einen Ringo. Ich muss es also doch selber machen, vor allem da es mir verdammt nicht egal ist.
Irgendwie hoffe ich zwar doch noch, dass die Sache bald so richtig ins Rollen kommt und talentierte, geborene Aktivisten sich für das Thema erwärmen, aber bis es soweit ist, muss ich eben einen Moment meine Teetasse abstellen und Aktivist spielen, vielleicht merkt ja keiner, dass ich das gar nicht wirklich beherrsche.

Aktivisten, die eigentlich keine sind, müssen sich natürlich erst einmal richtig informieren und das kann man auch mit Teetasse, jedenfalls habe ich das die letzten Monate getan und ihr habt mir dabei ein bisschen über die Schulter geschaut und wart gar nicht einverstanden, aber egal. Nachdem ich mir also ein Bild gemacht habe, wollte ich auch gleich aktiv werden und stand vor dem Problem, dass ich überhaupt nicht wusste an wen ich mich da wenden soll. Da ich noch keine Erfahrung mit Infoständen, Kampagnenarbeit und organisatorischen Dingen hatte, wollte ich mich erst einmal einer bestehenden Gruppe anschließen um erste Erfahrungen zu sammeln und das Feld auszukundschaften, bevor ich mich spezialisiere.

Plan A: Tierrechtsgruppen im Internet suchen. Da fanden sich dann tatsächlich die ein oder andere Homepage aus der Region mit News aus dem Jahre 2004 und in der Öffentlichkeit ausgetragene Streitereien. Setzen, 6.
Plan B: Veganer suchen. So ein paar Veganer waren eigentlich schnell aufgetrieben, nur waren das entweder ebenfalls Suchende oder Desillusionierte. Und ein neues Wort habe ich auch gelernt: Partyveganer. Das sind Veganer, die immer kommen, wenn es irgendwo veganes Essen gibt, sich aber nie bei einer Demo zeigen und nicht für Tierrechte aktiv sind. Setzen, 5.
Plan C: Zufall. Durch hartnäckiges Fragen und ein bisschen Zufall habe ich dann doch noch eine Person kennen gelernt, die hier gerade dabei ist eine Tierrechtsgruppe aufzubauen und die wohl auch eine geborene Aktivistin ist, jedenfalls schon mehr Erfahrung hat als ich. Offiziell gibt es uns noch nicht, also bleibt alles weitere vorerst geheim.

Jedenfalls habe ich durch diese Erfahrung schon einen ersten vorläufigen Schwerpunkt für mein Engagement gefunden: Ich möchte Aktivisten anwerben. Ich denke, dass es viele Leute da draußen gibt, die eigentlich aktiv sein möchten, für die die Hemmschwelle aber zu groß ist und die man direkter ansprechen muss, denen man den Einstieg erleichtern muss. Wenn ihr Ideen habt, wie ich die Massen mobilisieren kann, nur her damit: Was würdet ihr euch von eurer lokalen Tierrechtsgruppe erhoffen? Was würde euch ansprechen? Ein paar Ideen haben wir natürlich auch schon…
Wenn ihr also schon immer mal von mir angefixt werden wolltet, dann setzt schon mal das Teewasser auf!

5 Kommentare
  1. Klingt spannend. Bei mir lief’s ganz ähnlich.
    Hältst du uns auf dem laufenden?

    Dieser Blogeintrag kommt zeitlich so passend, dass es fast kein Zufall sein kann:
    http://unpopularveganessays.blogspot.com/2010/03/basic-economics-and-four-types-of.html
    Hört auf den Mann! ;-)

  2. Das ist jetzt ein klein bisschen widersprüchlich… ;)
    Der zweite Artikel entspricht natürlich eher meiner Linie und ich freue mich auch schon auf Teil 3.

    Aber egal was wir am Ende machen werden, Aktivisten können wir dabei immer brauchen.

    • Ja, deshalb habe ich den Link auch gepostet. ;)
      Nach guter piyh-Blog-Tradition sollten doch stets alle Seiten gehört werden. Schließlich will auch ich irgendwann mal sicher sein, was ich da mache und warum …

  3. ich würd mich ja bewerben, aber ich glaub ich wohn zu weit weg :-(

    tierrechtsgruppen gibts aber mittlerweile echt überall (sogar in Bayern :-P)

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