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Das Märzzitat

4. März 2010

Offenbar können wir jede Verletzung der Menschenwürde genauso gut, ja sogar noch weit besser, als eine Verletzung eines Menschenrechts beschreiben. Wenn dem so ist, dann wird aber der Verweis auf die Würde des Menschen nicht nur inhaltsleer, sondern geradezu überflüssig. Wozu sollten wir beispielsweise eine Geiselnahme als Würdeverletzung bezeichnen, wenn wir sie viel präziser als eine Beeinträchtigung des Rechts auf persönliche Freiheit fassen können? Und warum sollten wir eine Vergewaltigung als Würdeverletzung bezeichnen, wenn wir sie viel konkreter als eine Beschädigung des Rechts auf körperliche Unversehrtheit brandmarken können? Kurzum: Solange sich keine Verletzung der Menschenwürde findet, die nicht zugleich auch einen Verstoß gegen ein Menschenrecht darstellt, ist der Begriff der Menschenwürde schlicht und einfach redundant.
[…]
In der bioethischen Diskussion, und darum geht es mir hier, hat der Begriff der Menschenwürde jedoch nichts verloren. Hier dient er fast ausnahmslos als ideologische Waffe, mit der man seine Gegner mundtot machen will. In Ermangelung eines Arguments zieht man das Schlagwort der Menschenwürde aus dem Ärmel, um die Diskussion zu beenden. Wer will schließlich auch weiterdiskutieren, sobald eine biomedizinische Technologie einmal als eine grobe Verletzung der Menschenwürde entlarvt worden ist?

— Edgar Dahl, Spektrum der Wissenschaft 03/10

Sozusagen noch als Nachtrag bezüglich Tierversuchen, Menschenwürde und Axel W. Bauer. ;)

4 Kommentare
  1. Ich finde die allgemeine Anwendung des Begriffs der Würde, insbesondere die des Begriffs der Würdeverletzung, meist auch fehl am Platze. Ich würde nämlich – ohne Menschenrechtsspezialist zu sein – argumentieren, der einzige, der bei einer Vergewaltigung seine Würde verlieren kann, ist der Vergewaltiger. Entwürdigend sind „Folterspiele“ nicht für das Opfer, sondern für die Täter.
    Ich kann mich also „menschenunwürdig“ verhalten und dabei meine eigene Würde antasten, aber wenn jemand anderer meine Rechte verletzt, bleibt meine Würde doch intakt, oder?

  2. Ich glaube die Würde die du und der Volksmund (würdelos) meint entspricht dann der „Ehre“.

    Aber ich mag diese Sprachverwirrungen. Ich warte auch noch auf eine Definition von Terrorismus, Gewalt, Militanz und Radikalität. ;)

  3. smallie permalink

    Hab ich vor kurzem auch gelesen.

    Und gleich mal 2 Zitate daraus an anderer Stelle ge-helene-hagemannt. *räusper*

  4. Ge-helene-was? Und welche Stellen? :)

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